Eigentlich ist es nur ein kleiner Piks, doch daran scheiden sich vielfach die Geister. Viele Eltern sind sich nicht sicher, ob Sie ihre Kinder impfen lassen sollen oder nicht. Einige reden gar von Körperverletzung und halten es für sinnvoll der Natur ihren freien Lauf zu lassen und ihren Sprösslingen die „harmlosen“ Kinderkrankheiten einfach durchleben zu lassen. Auf der anderen Seite stehen die Impfbefürworter. Sie warnen vor Fahrlässigkeit und Massenepidemie, wenn nicht geimpft wird. Trotz dieser Diskussion, die Impfraten in Deutschland sind zufriedenstellend.
Statistisch gesehen entscheidet sich eine überwiegende Mehrheit von immerhin 90 Prozent der Eltern für das Impfen – und folgt damit den dringenden offiziellen Empfehlungen der für die Deutschen maßgeblichen Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Die Impfungen verweigern dagegen nur etwa drei bis fünf Prozent der Eltern komplett.
Wichtigster Ansprechpartner für Eltern zum Thema Impfen ist der Kinderarzt, der die Eltern über alle Vor- und Nachteile des Impfens aufklärt, damit eine individuelle Impfentscheidung ermöglicht wird.
Ist das Baby gesund, rät die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch- Institutes ein Kind mit dem vollendeten 2. Lebensmonat (9. Woche) zum ersten Mal zu impfen. Dafür stehen den Kinderärzten wirksame Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung. Schon bei der ersten Impfung wirken diese gegen die sechs häufigsten Infektionskrankheiten gleichzeitig: Diphtherie, Hepatitis B, Hib (Haemophilus influenzae Typ b), Keuchhusten, Kinderlähmung und Wundstarrkrampf (Tetanus).
Viele Eltern haben trotzdem mehr Angst vor den Nebenwirkungen der Impfung als vor der Krankheit selbst. Obwohl Kinderkrankheiten wie Masern, Keuchhusten, Mumps oder Röteln keine harmlosen Erkrankungen sind. Auch heute noch sterben Menschen an den Folgen der Erkrankungen in Deutschland oder leiden dauerhaft an Behinderungen wie Hirnschäden, Lähmungen, Blind- oder Taubheit.
Um diesem Risiko zu begegnen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) Kinder ab dem vollendeten 11. Lebensmonat mit einer zweimalig kombinierten Schutzimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln zu impfen. Zwischen beiden Impfungen sollten vier bis sechs Wochen liegen. Bei dieser sogenannten Grundimmunisierung kann man davon ausgehen, dass der Immunschutz tatsächlich ein Leben lang wirkt. Anders verhält sich die medizinische Wirkung bei Tetanus, Diphtherie, Polio oder Keuchhusten. Bei diesen Krankheiten kann man sich fünf bis zehn Jahre auf die Impfung verlassen - danach sollten sie wiederholt werden.
Neben den bekannten Vorteilen haben Impfungen auch Nebenwirkungen. Am häufigsten treten Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Einstichstelle auf. In seltenen Fällen ist in den ersten drei Tagen auch mit leichtem Fieber, Erbrechen, Durchfall und Appetitlosigkeit zu rechnen. Dabei handelt es sich aber nicht um Nebenwirkungen, sondern sind Anzeichen eines aktiv gewordenen Immunsystems.
Impfstoffe sind die am meist gestesteten, am strengsten kontrollierten und insofern auch die sichersten Medikamente. Ziel beim Impfen ist es, vor allem das Immunsystem zu stärken und die Abwehrkräfte darauf zu „trainieren“ sich selbst zu helfen.
Jedes Jahr bewertet die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts den Nutzen jeder Impfung neu und vergleicht ihn mit den möglichen Nebenwirkungen. Das Ergebnis der Expertenkommission wird in Form der "Allgemeinen Impfempfeh-lungen" veröffentlicht. Alle von der STIKO empfohlenen Impfungen werden von den Krankenkassen - von ihrer BKK bezahlt.
Wie funktioniert eine Impfung – und warum sind Auffrischungen wichtig
Bei einer Impfung reagiert der Körper gegen Krankheitserreger, die ihm in einem Serum (abgetötete oder abgeschwächte Bakterien oder Viren) verabreicht werden. Der Körper reagiert darauf mit folgenden Abwehrstrategien:
Standard-Schutzimpfungen, die von der STIKO empfohlen werden:
Infektionskrankheiten, ihre Symptome und ihr Krankheitsverlauf:
Diphtherie: Im Volksmund auch „Würgeengel der Kinder“ genannt, ist eine akute, manchmal lebensbedrohliche Infektionserkrankung, die durch ein toxinbildendes Bakterium ausgelöst wird. Die Übertragung des Erregers erfolgt durch Tröpfcheninfektion wie zum Beispiel durch Husten, Niesen und Küssen. Innerhalb von nur wenigen Tagen kommt es zu einem allgemeinem Krankheitsgefühl, Fieber, Halsweh, Bauchschmerzen und Gliederschmerzen. Bei schweren Verläufen kann es zu Herzmuskelentzündungen, Lähmungen (häufig Schluckstörungen), Leber- und Nierenfunktionsstörungen kommen.
Hepatitis B: Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine ansteckende, meldepflichtige Leberentzündung. Verantwortlich für diese Infektion ist das Hepatitis-B-Virus, dass durch Blut und andere Körperflüssigkeiten wie Sperma übertragen wird. Spätestens sechs Monate nach der Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus treten Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit und Gelbsucht auf. Die Leberentzündung kann chronisch werden, es kann sich in der Folge eine Schrumpfleber (Leberzirrhose) und in seltenen Fällen auch Leberkrebs entwickeln. Hepatitis A wird über Lebensmittel übertragen, die mit Kotrückständen verunreinigt sind, sowie durch Schmutz-Schmierinfektionen.
Hib (Haemophilus influenzae Typ b): Dabei handelt es sich um ein Bakterium, das bei Kindern lebensgefährliche, entzündliche Erkrankungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich hervorrufen kann. Die Kehldeckelentzündung ist eine besonders gefürchtete Komplikation. Erstickungen sind häufig. Sehr gefährlich ist auch die eitrige Hirnhaut-entzündung. Trotz Behandlung können Hörschäden und Entwicklungsstörungen zurückbleiben. Manchmal endet sie auch tödlich. Schwere Hib-Infektionen kommen in den ersten fünf Lebensjahren am häufigsten vor. Etwa 50 Prozent aller Hib-Hirnhautentzündungen betreffen Säuglinge im ersten Lebensjahr.
Keuchhusten: Ist eine quälende, langwierige Atemwegserkrankung, die durch das Keuchusten-Bakterium ausgelöst wird. Kennzeichnend sind schwere, krampfartige Hustenanfälle, die zu Erstickungsanfällen führen können - vereinzelt sogar zum Tod. Keuchhusten ist besonders für Säuglinge sehr gefährlich. Oft treten danach Folgeerkrankungen auf, beispielsweise Lungenentzündungen, Krampfanfälle und Hirnschäden. Gegen den quälenden Keuchhusten selbst gibt es keine Therapie.
Kinderlähmung: Der Erreger der Kinderlähmung ist das Poliomyelitis-Virus. Es befällt vor allem die Nervenzellen im Rückenmark, die für die Muskelkontrolle zuständig sind. Schon wenige Stunden nach der Ansteckung kann der Mensch eine Infektionsquelle für andere sein. In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung leicht, ähnlich wie ein grippaler Infekt mit Durchfall. In einem Prozent der Fälle bleiben jedoch Lähmungen der Arme, Beine, Atmung oder Gehirnschäden zurück. Erkrankt ein Erwachsener an Polio, sind solche Komplikationen häufiger.
Masern: Der Begriff Masern bezeichnet eine durch das Masernvirus verursachte Infektionskrankheit. Die Masern sind durch ein grippeähnliches Vorstadium und einem, von einem Hautausschlag begleiteten, Hauptstadium gekennzeichnet. Aufgrund ihrer hohen Ansteckungsfähigkeit treten Masern meist als Kinderkrankheit auf. Masern werden anhand ihrer Symptome, insbesondere der charakteristischen Hautveränderungen, diagnostiziert. In den westlichen Industrieländern führen die Masern bei 10–20 Prozent der Erkrankten zu Komplikationen, die auch mit einer erhöhten Sterblichkeit einhergehen. Der Arzt muss eine Masernerkrankung eines Patienten dem Gesundheitsamt melden.
Mumps: Mumps, auch Ziegenpeter genannt, beginnt meist mit leichtem Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Magenschmerzen und Kopfschmerzen. Innerhalb von etwa 24 Stunden bekommt ein Kind einseitige Ohrenschmerzen und das Öffnen des Munds, Kauen und Schlucken sind schmerzhaft.
Komplikationen: Bekommt ein erkranktes Kind einen steifen Hals, wird schläfrig und teilnahmslos, leidet an Übelkeit und erbricht, muss sofort ein Arzt aufgesucht werden. Diese Symptome können auf eine Hirnhautentzündung oder sogar auf eine Gehirnentzündung hindeuten. Diese Entzündungen können plötzlich ausbrechen und schnell fortschreiten. Erbricht das Kind und hat Durchfall können diese Symptome auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) hindeuten.
Röteln: werden wie Masern und Windpocken von Viren verursacht. Bei einer Röteln-Infektion entsteht ein rötlich-fleckiger Ausschlag am ganzen Körper. Die mildere Form zeigt sich durch vergrößerte schmerzlose Lymphknoten, entzündete Schleimhäute und leichtes Fieber. Ist der ganze Körper mit rötlichen Flecken übersät treten in dieser Phase außerdem vergrößerte, oft schmerzhafte Lymphknoten auf – insbesondere im Nacken und hinter den Ohren. Weitere Symptome der Röteln können Gelenkschmerzen, Bindehautentzündung und eine vergrößerte Milz sein. Gefährlich sind die Röteln auch für schwangere Frauen. Bei einer Erkrankung kann es zur Schädigung des ungeborenen Kindes (zu einem Herzfehler, Taubheit oder geistigen Behinderung) kommen. Die Gefahr ist in den ersten vier Schwangerschaftsmonaten am größten.
Windpocken: Beginnen mit einem juckenden roten Hautausschlag, der sich schubweise über den gesamten Körper ausbreitet. Dabei können auch die Schleimhäute (Mund, Bindehäute, Genitalien) betroffen sein. Die erste Anzeichen für Windpocken sind in den meisten Fällen Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen. Wenige Tage später treten erst vereinzelte, stark juckende, rote Bläschen auf, die sich in Schüben über den ganzen Körper ausbreiten. Täglich kommen neue rote Flecken zu den schon bestehenden Bläschen und Krusten hinzu. Ist auch der Kehlkopf betroffen, so sind die Kinder heiser. Nach wenigen Tagen fallen die Krusten ab und zurück bleiben helle Flecken, die später aber verschwinden. Oft kratzen Kinder die stark juckenden Bläschen auf, so dass es zur bakteriellen Hautinfektion und Hauteiterungen kommen kann. Dadurch können bleibende Narben entstehen.
Wundstarrkrampf: Tetanus ist eine schwere, akute Infektionskrankheit, die durch das Gift der Tetanusbakterien hervorgerufen wird. Auffällig bei Tetanus ist eine krampfartige Starre der Muskulatur - daher auch der Name Wundstarrkrampf. Die typische Muskelstarre bei Tetanus beginnt im Gesicht und breitet sich später auf den ganzen Körper aus. Unbehandelt kann die Erkrankung tödlich enden.